Ende Januar wurde die Studie „Forschung und Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und anderen Missbrauchsformen in der Evangelischen Kirche und Diakonie in Deutschland“ veröffentlicht.
Die Ergebnisse fordern uns alle heraus, sie sind beschämend. Wir blicken zurück und müssen bekennen, dass das Selbstbild, das wir von unserer Kirche hatten, erschüttert ist.
Nicht nur in der röm.-kath. Kirche, nicht nur in Heimen der Diakonie ist es zu sexuellen Übergriffen an Schutzbefohlenen gekommen. Auch im Raum der evangelischen Kirchengemeinden, im Rahmen von Seelsorge, Freizeiten, Konfirmanden- und Jugendarbeit wurden Menschen von Pastoren und Diakonen (bisher sind alle Täter, von denen man weiß, männlich) missbraucht und lebenslang geschädigt. Vorwürfe von Betroffenen wurden meist nicht konsequent verfolgt, vielmehr eher bagatellisiert. Vor allem hat man sich nicht adäquat um Betroffene gekümmert.
Gründe dafür liegen auch in der Kultur, die wir pflegen, an Machtgefälle und Personenkult, einer missverstandenen Vergebungsbereitschaft, die versäumt, dass zur Rechtfertigungslehre auch gehört, dass Schuld benannt und nicht bagatellisiert wird. Die Studie benennt da deutlich Punkte, wo kirchliche Akteurinnen und Akteure in ihrem Handeln versagt haben und wo Strukturen und Kultur verantwortlich sind für Nachlässigkeit in der Vorbeugung, der Aufdeckung und Bestrafung sexualisierter Gewalt
Schauen wir nach vorn, dass wir viel von den Betroffenen lernen müssen: Was hätten sie von ihrer Kirche gebraucht? Wie können wir ihnen zu angemessener Entschädigung und Heilung helfen? Was lernen wir aus ihren Erfahrungen für Prävention und Aufarbeitung.
Ich persönlich finde richtig, dass wir eine staatliche Stelle benötigen, die die Rechte der Betroffenen sexualisierter Gewalt durchsetzt. Es ist eine Zumutung, dass diejenigen, deren Leben von Menschen im Raum und unter dem Schutz der Kirche schwer geschädigt wurde, sich an ebendiese Kirche wenden müssen, um anerkannt und entschädigt zu werden.
Wichtig ist für unseren Kirchenkreis und unsere Kirchengemeinden, dass wir ernst machen mit dem Erstellen von Schutzkonzepten, Schulungen und der kompetenten Auseinandersetzung mit diesem wichtigen Thema. Wir sind seit einigen Jahren aktiv dabei, spüren aber auch Widerstände: „Bei uns doch nicht!“ „Wo bleibt denn da das Vertrauen?“ wird uns entgegengehalten. Doch schnell sind wir selbst betroffen, wenn es zu Vorwürfen oder Vorfällen kommt. Ich erlebe uns dann immer noch als gehemmt, handlungsunfähig und befangen.
Wie antworten wir auf die Frage: „Habt ihr alles getan, dass so etwas nicht passieren kann?“ Schutzkonzepte, Schulungen und Krisenpläne helfen dabei.
Alle Vorkehrungen werden nicht verhindern, dass es im kirchlichen Raum weiter zu Anschuldigungen und tatsächlichen Vorfällen kommt. Wir sollten aber alles tun, das zu verhindern und vorbereitet zu sein.
Der Ruf unserer Kirche ist beschädigt durch die berechtigten Vorwürfe Betroffener. Trotzdem entsteht auch ein schiefes Bild, wenn alle, die sich in der Kirche engagieren, unter Generalverdacht gestellt werden und übersehen wird, was in den vergangenen 70 Jahren in Kirchengemeinden und durch sie Gutes getan und von vielen von uns erfahren wurde. So wünsche ich uns einen heilsamen Prozess, in dem wir ganz im paulinischen Sinne „alles prüfen und das Gute behalten“ (Thessalonicher 5,21).
Mit herzlichem Dank für Ihr Interesse grüße ich Sie herzlich
Ihr
Superintendent Christian Cordes
Bitte an Betroffene, sich zu melden:
Die evangelischen Kirchen bitten Betroffene, die sexualisierter Gewalt in evangelischer Kirche und Diakonie erlitten haben, sich bei einer nichtkirchlichen oder kirchlichen Anlaufstelle zu melden. Das bundesweite „Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch“ ist unter Telefon 0800 2255530 oder auf https://www.hilfe-portal-missbrauch.de erreichbar; Kontakte der kirchlichen Stellen sind auf der Seite praevention.landeskirche-hannovers.de aufgeführt.
Eine gut lesbare Zusammenfassung der Ergebnisse und Empfehlungen der ForuM-Studie steht auf https://www.forum-studie.de zum Download zur Verfügung.
In unserer Gemeinde waren 4.021 Wahlberechtigte ab 14 Jahren aufgefordert, einen neuen Kirchenvorstand (KV) zu wählen. Gewählt wurden: Siegward Bode (1.099 Stimmen) Karin Aschenbrenner (1.092) Jonas Bartsch (1.044) Charlotte Johannsen (911) Carsten Banse (897) Andreas Gärtner-Michels (353)
Hier noch ein paar weitere Zahlen:
Von den 4.021 Wahlberechtigten entschieden sich sich 293 für die Onlinewahl (= 30,3 %); 675 Wähler:innen gaben ihre Stimmen per Briefwahl ab (= 69,7 %).
Die Wahlbeteiligung lag bei sehr guten 24,07 %.
Das Durchschnittsalter der Gewählten liegt bei 50 Jahren.
43 Wähler:innen waren im Alter von 14 - 18 Jahren, das entspricht einem Anteil von 4.5 %
Es gab 11 ungültige Stimmzettel sowie einige weitere Stimmzettel, die keinem Wahlberechtigten zugeordnet werden konnten.
Innerhalb einer Woche nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses kann jedes wahlberechtigte Gemeindemitglied gegen die Wahl Beschwerde erheben. Diese ist schriftlich beim Kirchenvorstand oder Kirchenkreisvorstand einzureichen und kann nur mit einer Verletzung gesetzlicher Vorschriften, die das Wahlergebnis mit überwiegender Wahrscheinlichkeit beeinflusst hat, begründet werden. Die Beschwerde kann nicht darauf gestützt werden, dass Wahlberechtigte nicht im Wählerverzeichnis eingetragen sind.
Es hat eine Weile gedauert, doch jetzt ist es so weit. Nach einer langen Ausbildungszeit mit viel Theorie darf ich nun in der Praxis ankommen. Ich freue mich sehr nun bei Ihnen, in der Kirchgemeinde Bleckede mit allen ihren zugehörigen Dörfern und Kirchen, zu sein.
Aber erstmal von vorn: Geboren und aufgewachsen bin ich in Annaberg-Buchholz im sächsischen Erzgebirge. Als Sohn eines Gastwirts waren mir Großküche und Schanktisch eigentlich vertrauter als Kirchenbank und Altar. Dies änderte sich erst nach meiner Konfirmation. Die Junge Gemeinde vor Ort wurde für mich zu einem wunderbaren Freundeskreis und zur Gemeinschaft, in der ich christlichen Glauben kennen und spüren lernte. Aus vereinzelten Gottesdienstbesuchen an Festtagen wurde allmählich ein fester Termin in der Woche. Dass hieraus in einem langen Prozess der Wunsch erwuchs, ein Theologiestudium aufzunehmen, verdanke ich dem Pastor meiner Heimatgemeinde. Er war es, der sich stets für uns als Junge Gemeinde und für mich Zeit nahm, um (theologische) Fragen zu besprechen.
So kam es, dass ich nach meinem Abitur, welches ich – Fun Fact – im selben Haus ablegte, in dem ich geboren bin, mein Theologiestudium in Leipzig begann. Nach nervenaufreibenden ersten Semestern des Hebräisch- und Altgriechisch-Lernens begeisterten mich anfangs vor allem die Wissenschaft des Alten Testaments und die Neuere Kirchengeschichte. Durch die Nachbarschaft zur Leipziger Nikolaikirche, welche wie kein zweiter Ort für die Friedliche Revolution 1989 steht, ist dies wohl kaum verwunderlich. Und überhaupt haben geschichtsträchtige Orte immer eine Anziehungskraft auf mich.
Darum verließ ich nach drei Jahren erstmals Leipzig und wechselte für zwei Semester an die älteste Universität nördlich der Alpen nach Prag. Dort an der Karls-Universität durfte ich mit Menschen aus verschiedenen Ländern studieren und nebenher Prag, das tschechische Land und die Leute kennenlernen. Und als sei dies nicht schon Geschenk genug gewesen, lud mich die Prager Universität in diesem Jahr auf eine Studienreise ins Heilige Land ein. Zwischen Geburtskirche in Bethlehem und Grabeskirche in Jerusalem lernte ich das Land kennen, in dem Jesus lebte und wirkte.
Die Rückkehr nach Leipzig bedeutete für mich dann eine allmähliche Verschiebung meines Studienfokus. Zunehmend besuchte ich praktisch-theologische Seminare und unterrichtete erstmals Schulklassen, gestaltete Gottesdienste und machte meine ersten Gehversuche als Prediger.
Dass ich nun zukünftig hier mit Ihnen Gottesdienste feiern und Gemeinde gestalten darf, und dies nicht in meiner sächsischen Heimat tue, verdanke ich meiner aus Lüneburg stammenden Frau. Sie lernte ich im Sommer 2019 kennen und lieben. Gemeinsam entschieden wir uns, nach dem Ersten Theologischen Examen für unser beider Vikariat, also den pastoralen Vorbereitungsdienst, nach Hildesheim zu ziehen. So lernte ich Gemeindearbeit in der St. Paulus-Kirchgemeinde in Hasede bei Hildesheim kennen.
Nach unserer Hochzeit im vergangenen Sommer sind wir nun froh als Ehepaar im Pfarrhaus in Barskamp anzukommen und das nicht allein. Wenn Sie dies lesen, wird unser Sohn bereits das Licht der Welt erblickt haben und ich in Elternzeit sein. Unterdessen hoffe ich, die Gemeinde und Sie dennoch bald persönlich kennenzulernen. Ich freue mich darauf, dass wir zukünftig gemeinsam Gottesdienste feiern und Gemeinde gestalten werden. Möge Gott uns dabei begleiten und seinen Segen schenken.
Am Samstag, dem 10.02.2024 wurde unser neuer Pastor Richard Roch von der Regionalbischöfin Marianne Gorka in einem feierlichen Gottesdienst ordiniert und in sein Amt eingeführt.