© Christian Cordes

Gemeinsam begabt

Wed, 18 Nov 2020 13:38:53 +0000 von Gemeindebrief Bleckede

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Superintendent Christian Cordes
Superintendent Christian Cordes zur Fusion der Kirchengemeinden:
Noch wenige Wochen gibt es die drei Kirchengemeinden in unserer Stadt und ihren Dörfern. Eigentlich hat das Neue schon begonnen, denn seit die Beschlüsse zur Gründung der neuen Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Bleckede gefasst sind, ist allen Kirchenvorständen bewusst, dass jede Entscheidung des einen die anderen ebenso betrifft. Wir freuen uns, dass am 4. Oktober Pastor Eisel eingeführt wurde und mit Pastor Michael Dierßen ab Januar auch die zweite Pfarrstelle besetzt sein wird. Das sind auch Früchte der großartigen Arbeit der Kirchenvorstände. Als Superintendent, der die Beratungen der Kirchenvorstände von außen begleitet hat, kann ich nur große Bewunderung dafür aussprechen, wie umsichtig, zielstrebig und respektvoll Ihre Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher die gemeinsame Zukunft gestaltet haben. 
Und das in einer schweren Zeit des Umbruchs, die durch die Corona-Pandemie vieles noch komplizierter gemacht hat. Für mich wurden in dieser Zeit die Ideale der frühen Christenheit aktuell, die sich widerspiegeln in Sätzen wie diesem: „Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes“ (1. Petr. 4,10). Gemeinde lebt durch die Vielfalt der Gaben. Das sind die unterschiedlichen Fähigkeiten der Menschen, übertragen auf die Kirchenlandschaft Bleckedes sehe ich da aber auch die besonderen Möglichkeiten der einzelnen Orte mit allem, was dazugehört: Kirchen, Räume, Traditionen, die Aufgeschlossenheit der Menschen füreinander und für Kirche, auch in ihrer ökumenischen Vielfalt. Wenn dies für die Stadt und ihre Dörfer fruchtbar wird, kann das ein großes Glück, christlich gesprochen: ein Segen sein.

Viele Gaben sind da. Paulus fasste das in seinen Briefen an die Römer (Röm. 12) und Korinther (1. Kor. 12) in das Bild eines Leibes mit vielen Gliedern. Jedes Härchen hat seinen Sinn und seinen Platz. Im Gabenkatalog, den Paulus aufruft stehen denn auch (fast) alle besonderen Begabungen gleichberechtigt nebeneinander. Das bedeutet auch: Nicht jede und jeder hat gleichermaßen die Gabe, glauben zu können, theologisch zu denken, beten zu können oder sich mit dienender Liebe den Nöten anderer zuzuwenden. Aber alle Gaben sind wichtig. Heute stellen wir mehr und mehr fest, wie arm sich die Kirche gemacht hat, indem sie nahezu alles allein den Theologinnen und Theologen zutraute. 

Gemeinsam erreicht man mehr, gerade wenn man die Gaben der anderen wahrnimmt und zu schätzen weiß. Darum hebt Paulus auch eine Gabe unter den vielen heraus und widmet ihr im 1. Brief an die Korinther ein ganzes Kapitel: Die Liebe (1. Kor. 13). Was der Apostel dort schreibt könnte der Schlüssel sein zu mancher gelingenden Partnerschaft, zu einem erfolgreichen Team, zum Segen der neuen Kirchengemeinde.
Ihr Superintendent Christian Cordes